So wirkt die Tinnituszentrierte Musiktherapie

Entstehung von Tinnitus

Wenn sich ein Tinnitus entwickelt hat, ist eine erhöhte Konzentration auf das Störgeräusch dafür verantwortlich, dass

  • der Tinnitus als laut empfunden wird
  • der Tinnitus bleibt, anstatt wieder zu verschwinden
  • aus einem Tinnitus ein Leiden am Tinnitus wird

Kompensation ist möglich

Sehr viele Tinnitus-Betroffene haben die Erfahrung gemacht, dass sie für einen kurzen Moment den Tinnitus nicht wahrgenommen haben. In dieser Zeit war der Tinnitus kompensiert.

Auch berichten Tinnitus-Betroffene, dass der Tinnitus über lange Zeit zwar vorhanden war, aber nicht als störend wahrgenommen wurde. In diesem Fall spricht man ebenfalls von einem kompensierten Tinnitus.

Das bedeutet, dass in dieser Zeit das Störgeräusch ersetzt oder ausgeglichen wird durch die Konzentration auf etwas anderes.

Dieser Effekt ist hoch wirksam und kann für die Tinnitus-Behandlung genutzt werden.

Auch bei einem Gespräch wird die Aufmerksamkeit nach außen auf den Gesprächspartner gelenkt.

Die Ziele der tinnituszentrierten Musiktherapie

  • Der Tinnitus soll kompensiert werden.
  • Der Tinnitus soll so weit in den Hintergrund treten, dass er nicht mehr stört.
  • Die Freude am Hören soll zurückkehren.
  • Die Lebensqualität soll steigen.

Testen Sie Ihre Aufmerksamkeit

Eine gute Möglichkeit, die Funktionsweise der Wahrnehmung kennen zu lernen, zeigt das Video rechts.

Sie sehen ein einminütiges Video, in dem zwei Basketballteams zu sehen sind. Das „weiße Team“ und das „schwarze Team“ haben jeweils drei Spielerinnen und Spieler. Achten Sie bitte nur auf das „weiße Team“. Ihre Aufgabe ist es, zu zählen, wie oft sich das weiße Team den Ball zuspielt. Das schwarze Team spielt gleichzeitig. Sie bleiben mit Ihrer Aufmerksamkeit aber nur beim weißen Team und zählen die Ballwechsel.
Es ist gar nicht so leicht. Schauen Sie sich das ganze Video an, um die Lösung und den Zweck dieser Übung zu sehen.

So funktioniert unsere Wahrnehmung

Bitte schauen Sie zuerst das Video, bevor Sie diesen Text lesen.

Haben Sie bemerkt, dass Sie mit dem Zählen der Ballwechsel so beschäftigt waren, dass Sie das zusätzliche Element nicht wahrgenommen haben?

Das Beispiel zeigt, dass wir in der Lage sind, unsere Aufmerksamkeit so zu lenken, dass wir bei einem Fokus bleiben und andere, auch störende, Dinge nicht wahrnehmen.

Wirkungsweise der Hörübungen

Ziel der Hörübungen ist es, die Aufmerksamkeit nach außen – also auf die Übung – zu lenken.

Wenn dies gelingt, tritt ein kompensatorischer Effekt ein. Der Tinnitus tritt in diesem Moment in den Hintergrund. Je öfter und je länger dieser Effekt eintritt, um so mehr wirkt er sich nachhaltig auf die Kompensation aus.

Die Zeiten, in denen der Tinnitus nicht wahrgenommen wird, werden auf diese Weise  länger. So ist der Tinnitus auch zwischen den Hörübungen weniger intensiv.

Die Tinnituslautstärke nimmt ab.

Das Störgeräusch tritt in den Hintergrund.

  • Tinnituslautstärke
  • Tinnituslautstärke während der Hörübung

Habituation (Gewöhnung an den Tinnitus)

Man geht heute davon aus, dass die Tinnituslautstärke 5 – 10 dB (Dezibel) über der individuellen Hörschwelle liegt. Das ist ein objektiv leiser Wert.

Erst die anhaltende Konzentration auf das Störgeräusch lässt dieses sehr viel lauter erscheinen. Das Hörzentrum (Auditiver Cortex) speichert die Information:“Tinnitus ist laut!“

Um die Gewöhnung an den Tinnitus zu fördern wird Musik bearbeitet, die auf das Tinnitus-Profil des Betroffenen abgestimmt ist. Dazu wird zunächst der individuelle Tinnitus ermittelt und dann zu einer Musik leise dazu gemischt. Durch das Hören dieser bearbeiteten Musik wird dem Hörzentrum das richtige Lautstärkeverhältnis zwischen Umgebung (in diesem Fall die Musik) und dem Tinnitus angeboten. Durch wiederholtes Üben gewöhnt sich das Hörzentrum daran und lernt:„Tinnitus ist leise!“

Diese Erfahrung ist elementar.

Z.B. ist es in größeren Büros erforderlich, dass Sie sich an die Umgebungsräusche gewöhnen.

Wenn es gelingt, sich auf seine Tätigkeit zu konzentrieren, werden diese weniger oder gar nicht wahrgenommen.

Audiogramm (Hörtest) ist erforderlich

Um sich bei der Behandlung ganz auf die individuelle Situation des Tinnitus-Betroffenen einstellen zu können, muss ein aktuelles Audiogramm vorliegen.

Es muss geklärt werden, ob eine Hörminderung vorliegt, da es Zusammenhänge zwischen einer Hörminderung und der Entstehung von Tinnitus gibt.

Die Erläuterung dieser Zusammenhänge ist Teil der Tinnitus-Beratung.

Manfred Brauns
Wilhelmshöher Weg 100
34130 Kassel

Praxistelefon: 0561 / 970 63 53

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